Wir können Systeme, in denen wir leben und arbeiten, als besser oder schlechter, ausgezeichnet oder unfähig charakterisieren. Menschen auch. Doch wie kommen wir zu dieser Meinung?
Systemverbesserungen, auch die Idee, das System „Unternehmen“ oder den Menschen darin zu verbessern, ist ein Ideal, das wir mit den Worten „Fortschritt“, Change Management“, „Coaching“ untersetzen. Nur ist eine Verbesserung immer eine Verbesserung? Kennen Sie die Geschichte von Watzlawick über den Mann und seinen verlorenen Schlüssel, den er im hellen Laternenlicht sucht und nicht dort, wo er ihn verlor? Hilft uns ein „mehr desselben“ weiter? Sind unsere Systemverbesserungen nicht häufig blinder Aktionismus und warum ist das so? Was passiert, wenn wir ein Teilsystem verändern?
Gern glauben wir an den Fortschritt. Gern glauben wir daran, dass die Menschen trotz Hoch und Tiefs es schon „richten“ werden, auf dem Weg zu einem idealen Zustand, in dem alle Probleme gelöst sind.
Unternehmen geben beispielsweise viel Geld für Gesundheitsmanagement aus. Mitarbeitende wechseln in Zeiten des Fachkräftemangels trotzdem das Unternehmen. Menschen werden präventiv gesund gehalten. Was nutzt dem Menschen ein belastbarer Körper, wenn er ein Leben führt, das nicht sinnvoll ist? Inzwischen haben wir technische Mittel gefunden, Langeweile und anderen Formen verringerter geistiger Gesundheit zu kanalisieren, quasi „still zu legen“, zu „betäuben“. Diese Ablenkungsmechanismen werden nicht und nur von wenigen hinterfragt. Im Unternehmen nicht. Nicht im Privaten.
Technische Lösungen sollen es heute ganz schnell richten: Klimawandel verlangsamen, Teilhabe schaffen, Bildung vermitteln, Prozesse effizienter gestalten… Wärmepumpen, Elektrofahrzeuge, Smartphones, Künstliche Intelligenz. Mit jeder Generation, die die technischen Errungenschaften nutzt und jeder Erfindung wächst momentan die Unfähigkeit, mit den wahren Problemen der Gesellschaft fertig zu werden. Menschen verbringen Zeit mit Aufgaben, die plötzlich langweilig oder wenig befriedigend werden, oft Mehraufwand bedeuten. Technischer Fortschritt verhält sich möglicherweise aber neutral und hat nichts mit der Ethik des Gesamtsystems zu tun. Auf das Niveau der Gesellschaft kommt es an, die technischen Fortschritt nutzt.
Jeder Schritt nach vorn in Teilsystemen bringt gefährliche Nebenwirkungen mit sich. Gern werden diese im (technischen) Wachstumsstreben übersehen oder deren Warnsignale ignoriert. Die Folge ist, dass das Ganze aus dem Gleichgewicht gerät.
Uns sollte aber beruhigen, dass kein großes System, das der Mensch entwirft, perfekt ist. Es ist möglich, grundlegende Werte zu finden, von denen sich alle anderen ableiten, ein System zu verbessern. Hat man bei der Fahrradreparatur den richtigen Schraubenschlüssel, lassen sich die wichtigen Schrauben festziehen, damit unterwegs keine Teile auseinander fallen, die Kette herunterspringt oder das Schutzblech klappert. Nur: Wer entscheidet über das richtige Werkzeug? Wer entwirft es? Wer muss damit arbeiten?
Die genannten Werte lassen sich in der Politik, in der Volkswirtschaft, im Unternehmen, bei der eigenen persönlichen Entwicklung suchen und entdecken.
Wir, das Sachsen Institut, helfen Ihnen mit unseren Seminaren, Trainings und Coachings dabei. Wir fördern Ihre Entwicklung.
Quelle: Churchman: Philosophie des Managements